Vor 20 Jahren hatte ich einen Traum. Gar nichts Spektakuläres. Angesichts meiner Kinder und unserer Erlebnisse mit den Institutionen, Kindergarten und Schule, habe ich mich darüber gewundert, dass Bildung und Betreuung nicht für jedes Kind gut hinzukriegen ist. Als ehemalige Erzieherin und nun auch Mitarbeiterin einer Schule – ich gab Kunstkurse in einigen Schulen - war ich selbst Mitglied in diesem versagenden System. Damals dachte ich, es lag an der DDR. Nur wenige Monate später fiel die Mauer und ich hospitierte in Kindergärten und Schulen der BRD. Die Diagnose war die gleiche - sie kriegen es nicht hin! Jedenfalls nicht das, was ich mir als Mutter und Pädagogin von den Institutionen, Kindergarten und Schule, wünschte

Lieber Thomas,

wir kennen uns seit mehr als 30 Jahren. Das klingt nach einer ganzen Ewigkeit. 20 Jahre davon haben wir gemeinsam gearbeitet, an unserem Baby, unserem Lebenswerk: Wir nannten es Klax.

Ich kenne Theo van der Hoeven seit 1992. Kurz nach dem Fall der Mauer habe ich ihn in Amersfoort besucht. Er war zu diesem Zeitpunkt eine wichtige Person in der deutschen Jugendkunstschullandschaft. Von dort hatte ich auch die Empfehlung, ihn zu kontaktieren. Klax war zu diesem Zeitpunkt ein unscheinbares Kinderkunstprojekt, ohne finanzielle Mittel und Verbreitung über Berlin-Pankow hinaus.

Um Kindern ein guter Partner zu sein, braucht es tiefes Nachdenken über die Welt, in der wir mit Kindern zusammen leben. Das ist nicht so einfach, denn eine pädagogische Einrichtung ist eine sehr komplexe Angelegenheit mit vielen verschiedenen Facetten. Kinder, Eltern, Mitarbeiter – alles muss unter einen Hut. Wenn man dann glaubt, das der Hut richtig sitzt, man also alles im Griff hat, kommt ein Rohrbruch, ein Mitarbeiter fällt aus oder irgendwas ganz Verrücktes passiert. Das alles kennen wir aus unserem Alltag. Gute Pädagogik zeichnet sich aber gerade dadurch aus, eine Balance zwischen Alltag und Anspruch zu finden.